Geschichte begegnen und Verantwortung übernehmen
Vom 9. bis 14. Oktober reisten acht Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Klasse gemeinsam mit ihren Lehrkräften Lisamarie Schwarz und Ruth Merz nach Polen. Ziel der Studienfahrt war es, sich vor Ort mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust auseinanderzusetzen, Erinnerungsorte kennenzulernen und den persönlichen Begegnungen Raum zu geben.
Untergebracht war die Gruppe in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim, die seit vielen Jahren Menschen bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Ortes begleitet.
Nach der Anreise mit dem Zug von Frankfurt aus besuchte die Gruppe am Samstag das ehemalige Stammlager Auschwitz I. Am Nachmittag folgte der Besuch des Gedenkmuseums mit der Ausstellung „Bilder der Erinnerung“, die vom Schicksal der Bewohnerinnen und Bewohner der Region Oświęcim erzählt. Am Sonntag erkundeten die Jugendlichen bei einer Führung das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die abendlichen Gespräche im Plenum boten Gelegenheit, Eindrücke zu teilen, Fragen zu stellen und das Erlebte gemeinsam zu reflektieren.
Am Montag lernten die Schülerinnen und Schüler die Geschichte und die pädagogische Arbeit der IJBS näher kennen. Anschließend besuchten sie das Gerhard-Richter-Ausstellungshaus, in dem der Birkenau-Zyklus des Künstlers gezeigt wird. Ein besonderer Höhepunkt der Fahrt war die Begegnung mit der Zeitzeugin Frau Włodarczyk. Sie berichtete eindrücklich davon, wie sie als Kind gemeinsam mit ihrem Bruder im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gefangen war.
Trotz des unermesslichen Leids, das sie erfahren hatte, begegnete sie den Jugendlichen mit großer Herzlichkeit und Offenheit. Sie war dankbar, ihre Geschichte auch heute noch erzählen zu können. Ihre Botschaft an die Schülerinnen und Schüler war klar und zugleich einfach: Sie sollen freundlich und menschlich miteinander umgehen und füreinander sorgen. Diese persönliche Begegnung machte auf besondere Weise deutlich, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und die Geschichten der Überlebenden weiterzutragen.
Bei einer Stadtführung mit einer Freiwilligen der IJBS entdeckte die Gruppe außerdem das heutige Oświęcim und erfuhr mehr über die Geschichte der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg.
Zum Abschluss führte die Reise nach Kraków. Dort hatten die Jugendlichen Zeit, die Stadt selbstständig zu erkunden und die gemeinsamen Erlebnisse der vergangenen Tage nachklingen zu lassen.
Für die begleitenden Lehrkräfte steht fest: Begegnungen an historischen Orten und Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen lassen sich durch Unterricht allein nicht ersetzen. Sie ermöglichen jungen Menschen, Geschichte unmittelbar zu erfahren, eigene Fragen zu entwickeln und sich mit der Verantwortung für eine demokratische, menschliche und solidarische Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Die Gedenkstättenfahrt wurde großzügig durch den Wetteraukreis finanziell unterstützt.
Lisamarie Schwarz und Ruth Merz