08.02.2019

Begegnung mit den Elementen

Kunstfahrt der 13. Klasse nach Griechenland

Kunst selbst gestalten und Schauplätze der Antike erleben, stand für die 13. Klasse bei ihrer zweiwöchigen Abschlussfahrt auf dem Programm. Von Mitte bis Ende Oktober 2018 war der Jahrgang in Lalunda, Westgriechenland auf Kunstfahrt und sah sich hier nicht nur mit Kunst und Kultur, sondern auch mit einem heftigen Erdbeben konfrontiert.

Los ging es von Bad Nauheim aus per Bus auf die lange Strecke Richtung Ancona in Italien, wo die Gruppe am späten Nachmittag, rechtzeitig zur Abfahrt der Fähre nach Patras, eintraf. Reiseplanung und Budget sahen hier ein erstes Abenteuer vor: Übernachtung mit Schlafsack und Isomatte an Deck. Die See war ruhig, das Wetter mild, also genoss man die Überfahrt und die Nacht auf See – nicht ahnend, dass die Rückfahrt weniger sanft verlaufen würde.

Am Nachmittag des nächsten Tages erreichte die Fähre planmäßig ihr Ziel, den Hafen von Patras. Von hier aus war es mit dem Bus nicht mehr weit zur idyllisch zwischen Olivenbäumen gelegenen Unterkunft, wo man sich für die nächsten 2 Wochen in kleinen Bungalows einrichtete.

Der Tagesablauf sah vor, dass an drei bis vier Tagen nacheinander morgens etwa drei Stunden künstlerisch gearbeitet wird, danach stand jeweils ein Expeditionstag zu einer der vielen Sehenswürdigkeiten in der Region auf dem Programm. Auch an den Nachmittagen wurde an den Kunstwerken gearbeitet, aber es war auch Zeit für Aktivitäten, Spiele, Unternehmungen, Schwimmen oder einfach Freizeit vorgesehen. Und so ging es auch schon gleich am nächsten Morgen los: Jeder Schüler und die Begleiter machten sich daran einen Marmor-Block zu bearbeiten. Die Herausforderung hierbei war, dass keinerlei elektronisches Werkzeug verwendet wurde, sondern alles in reiner Handarbeit mit Hammer und Meißel herausgearbeitet werden sollte.

Keiner der Schüler hatte zuvor je Steinmetz-Arbeiten gemacht und die Befürchtungen waren groß, dass der harte Marmor eine echte Herausforderung sei. Es gab keinerlei Vorgaben, was die Schüler herstellen sollten, ganz im Gegenteil – jeder war aufgefordert für sich zu überlegen, was er aus dem Block schaffen will und wie er dort am besten hinkommt. Schon bald stellten die Schüler erleichtert fest, dass die Bearbeitung weniger schwer als vermutet war. Jeder entwickelte eine bestimmte Vorstellung, wie der Block am Ende aussehen sollte und auch die Steine selbst gaben einen Weg dahin vor. Von Anfang an waren alle motiviert und mit Freude bei der Arbeit und es entstanden im Laufe des zweiwöchigen Schaffensprozesses sehr schöne, kreative Kunstwerke, alle aus weißem glänzenden Marmor und doch alle ganz unterschiedlich in der Ausführung.

Die fertigen Stücke wurden bei einer Vernissage im Rahmen eines Elternabends präsentiert, bei dem es ausführliche Berichte, viele Bilder und einem Film zu sehen gab. Danach konnte man die Skulpturen noch am Martinsmarkt in einer kleinen Ausstellung im Foyer bewundern.

Neben dem Steinmetzen waren die Ausflüge zu den weltberühmten antiken Stätten in der Region die Höhepunkte im Programm der Kunstfahrt: angefangen mit Olympia, dem Austragungsort der Olympischen Spiele in der Antike, über Mykene, einer der bedeutendsten Städte Griechenlands in der vorklassischen Zeit und Epidaurus – die weltberühmte, antike Kultstätte – sowie die Hafenstadt Nafplio, der,  wie es heißt, schönsten Stadt Europas. Die Ausflüge wurden jeweils durch einen Reiseführer vor Ort begleitet, so dass die Schüler eine Menge über die Orte erfuhren.

Das aber, was die Schüler und ihre Begleiter in Griechenland am nachhaltigsten beeindruckt hat, passierte am Ende der Reise: Ein Erdbeben schreckte sie in der vorletzten Nacht um zwei Uhr aus dem Schlaf. Die Erdstöße waren in den kleinen Bungalows deutlich spürbar, alles geriet ins Wanken und wurde durch eine beängstigende, rumorende Geräuschkulisse begleitet. Instinktiv liefen die Schüler sofort aus den Bungalows ins Freie und auch die begleitenden Lehrer versicherten sich als erstes, dass wirklich alle draußen waren. Man konnte kaum laufen, so stark schwankte die Erde und das Wasser des  kleinen Pools, der zur Anlage gehörte, schwappte in hohen Wellen heraus. Die Schüler berichteten, dass man sich durch das Wackeln regelrecht schwindlig fühlte. Das ganze Szenario dauerte mehrere Minuten, eine gefühlte, beängstigende Ewigkeit, wenn man mitten drin steckt.  Wie sich schnell herausstellte, war das Epizentrum nur etwa 100 km entfernt, weshalb es zum Glück auch nur eine sehr kleine Flutwelle knapp zwei Stunden nach dem Beben gab.

Glücklicherweise forderte das Erdbeben keine Menschenleben und es wurde niemand ernsthaft verletzt. Auch große Zerstörungen blieben aus, aber in den kleinen Touristen-Läden ging wahnsinnig viel kaputt, was für die Besitzer hohe Verluste bedeutete, die ihnen niemand ersetzen wird. Die Marmorsteine unserer Schüler fielen bei dem Beben zwar reihenweise von ihren Sockeln, überstanden dies aber unbeschadet.

Zwei Tage später hieß es dann Zusammenpacken und die lange Rückreise nach Hause antreten. Schon bei der Abfahrt der Fähre im Hafen war klar: Es wird windig! Später auf See wuchs sich der Wind zu einem regelrechten Sturm aus und es wurde schnell äußerst ungemütlich. Bei starkem Seegang hatten viele an Bord mit Seekrankheit zu kämpfen und verständlicherweise auch Angst. Zum Übernachten zogen die meisten dann doch lieber in einen Innenraum und ließen sich dort so gut es ging auf den Sofas nieder. Aber einige Unerschrockene verbrachten die stürmische Nacht tatsächlich draußen an Deck!

Trotzdem waren alle froh am nächsten Mittag wieder sicher auf festem Boden zu stehen. Aber der Sturm hatte auch am Festland in Italien einige Verwüstung angerichtet und zunächst hieß es, der Brenner sei wegen eines Erdrutsches nicht passierbar. Trotzdem entschied man sich erst einmal loszufahren. Als der  Bus schließlich am Brenner ankam, war die Strecke gerade wieder frei gegeben worden und die Reisenden konnten von da an ungehindert ihren Weg nach Hause fortsetzen.

Wohlbehalten, aber müde kamen sie spät abends in Bad Nauheim an, glücklich die Abenteuer Erdbeben und Sturm unbeschadet überstanden zu haben und mit wunderbaren Marmor-Kunstwerken im Gepäck. Rückblickend sind sich alle einig: Die gemeinsamen Erlebnisse haben den Zusammenhalt der Klasse und das Vertrauen ineinander sehr gestärkt. Wer gemeinsam den Elementen trotzt, wächst zusammen und kann sich aufeinander verlassen!







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