16.11.2018

Bad Nauheimer Umweltpreis

Drei Kandidaten, drei Preise

Die Jury hatte leichtes Spiel, denn für den diesjährigen Umweltpreis der Stadt Bad Nauheim gab es drei Auszeichnungen für drei Bewerber. Nur über die Reihenfolge musste entschieden werden. Trotz der kleinen Zahl von Kandidaten traf es die richtigen Organisationen und Einzelpersonen, wie Bürgermeister Klaus Kreß und Parlamentschef Gerhard Hahn deutlich machten. Die Freie Waldorfschule (1. Platz, 1000 Euro), der Naturschutzbund (2. Rang, 250 Euro) und der Umweltschutzbeauftragte Rudi Nein (3. Platz, Sachpreis) setzten sich seit geraumer Zeit ehrenamtlich und wirkungsvoll für den Erhalt eines natürlichen Lebensraums in der Kurstadt ein.

Unermüdliche Arbeit bescheinigte Bürgermeister Kreß den drei Preisträgern. In der Waldorfschule ist es Teil des pädagogischen Konzepts, einen großen Garten samt Gewächshaus zu betreiben. Seit 25 Jahren ist das der Fall – nachhaltig wird das heutzutage genannt. Derzeit pflegen rund 160 Schüler der 6. bis 8. Klasse Gemüse und Obstarten, Kräuter, Bäume, Sträucher und Blumen. Die Ernte wird in der Schulküche verarbeitet. »Schüler erleben so den Wertschöpfungsprozess der Lebensmittel hautnah – eine Erfahrung, die ihre Einstellung gegenüber Natur und Nahrungsmittelproduktion für ihr ganzes Leben prägen dürfte«, sagte Kreß.

Der Naturschutzbund (NABU) Bad Nauheim wurde in erster Linie für sein Streuobstwiesen-Engagement ausgezeichnet. Seit Jahrzehnten werden auf fünf Flächen rund 470 hochstämmige Obstbäume gepflegt.

Als »Ein-Mann-Initiative« und »grünes Gewissen« der Stadt bezeichnete der Bürgermeister Preisträger Nummer drei, Rudi Nein. Wettbewerbe wie »Naturnahe Gärten und begrünte Häuser« oder »Das offene Gartentor« sowie die Pflanzentauschbörse und die Pflege von Biotopen seien dem Umweltschutzbeauftragten der Stadt zu verdanken.

 

Appell an Bürger

Stadtverordnetenvorsteher Hahn erinnerte an die absehbare Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde. Überbevölkerung spiele dabei eine wichtige Rolle. Hahn rief die Bürger dazu auf, bei ihrem täglichen Handeln an den Umweltschutz zu denken. »Der Verzicht auf Coffee to go oder Plastiktüten sind kleine Beiträge, die jeder leisten kann«, sagte Hahn.

Dankesworte sprachen Gartenbaulehrerin Ruth Henneke (Waldorfschule), NABU-Vorstandsmitglied Nicola Peters-Geiger und Rudi Nein. Während Hennecke an die jahrzehntelange Tradition der Waldorfschule in Sachen Gartenbau erinnerte, erwähnte Peters-Geiger den fortschreitenden Flächenverbrauch für Wohnungsbau.

»Wir haben die Probleme der Welt nicht lösen können, aber wir haben einiges erreicht«, sagte Rudi Nein, der sich auch in internationalen Initiativen für den Naturschutz eingesetzt hat. Auch wenn es etwa gelungen sei, im Regenwald von Costa Rica eine Papierfabrik der Amerikaner zu verhindern, »sind unsere Gegenspieler zumeist in der Übermacht«. Solange Konzerne wie Monsanto oder Bayer die Landwirtschaft global beherrschten, könnten unzählige Blühstreifen den Insektenschwund nicht ausgleichen. Umweltgifte hätten längst die Gewässer und das Eis an den Polen erreicht – mit verheerenden Folgen für Unterwasserwelt und menschliche Nahrung. »Mit gesundem Menschenverstand sind die Umweltsünden nicht zu verstehen: Plastik-Planet, Regenwaldvernichtung, verbunden mit unglaublichem Artensterben und Klimawandel, Versiegelung von Naturräumen, auch in Bad Nauheim«, zählte Nein auf. Ans Aufgeben denkt er allerdings nicht, zitierte vielmehr den früheren US-Vizepräsidenten und Umweltaktivisten Al Gore: »Kämpfe, als würde deine Welt davon abhängen, unsere Zeit läuft.«

Wetterauer Zeitung vom 26.10.2018

Ehrenamtlicher Einsatz für den Naturschutz wird belohnt. Unser Bild zeigt die Übergabe des städtischen Umweltpreises: (v. l.) Bürgermeister Klaus Kreß, Moritz Rife, Jule Freyer, Ruth Henneke (alle Waldorfschule), Nicola Peters-Geiger (NABU), Rudi Nein und Parlamentsvorsteher Gerhard Hahn. (Foto: Nici Merz)
Ehrenamtlicher Einsatz für den Naturschutz wird belohnt. Unser Bild zeigt die Übergabe des städtischen Umweltpreises: (v. l.) Bürgermeister Klaus Kreß, Moritz Rife, Jule Freyer, Ruth Henneke (alle Waldorfschule), Nicola Peters-Geiger (NABU), Rudi Nein und Parlamentsvorsteher Gerhard Hahn. (Foto: Nici Merz)


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